Rückenwind

Ich packe meine Sachen und bin raus mein Kind,
Thomas D. ist auf der Reise und hat Rückenwind,
ich sag es euch auf diese Weise alle die mit mir am suchen sind,
sind mit mir auf der Reise haben Rückenwind,
und ich geh auch über Wasser wenn da Brücken sind,
ey der Typ hat ne Meise aber Rückenwind!

Thomas D. – Rückenwind

Es ist 4 Uhr, ich habe verschlafen. Wecker nicht gehört! Ist ja auch früh! Erster Gedanke, ich bin froh das ich vor 3 Stunden doch noch entschieden habe fertig zu Packen!

Im Auto, mit den vier Italienerinnen, Renata, Marcio Antino, Chici und dem Fahrer, geht es erst Richtung Rio, dann über die Brücke nach Niteroi. Ich kenne schon alles, den selben Weg nimmt man nach Arrial do Cabo oder Cabo Frio. Ich schlafe ein.

Zum Frühstück werde ich aufgeweckt, wir halten an einer Raststätte, die im ADAC Test so ungefähr ein gutes Stück hinter dem letzten Platz wäre, überlege ich mir im Nachhinein! Wieder im Auto schlafe ich wieder und wache zum Mittagessen auf, welches wir auch an einer Raststätte nehmen. Die Landschaft hat sich schon leicht verändert. Ländlicher ist es geworden, die Bachada von Rio de Janeiro liegt nun wirklich hinter uns. Genau genommen 600 km hinter uns. Die Autobahn ist vergleichbar mit einer Bundesstraße in Deutschland, welche aber einen Fahrbahnbelag hat welcher eher einem Feldweg gleicht! Zeit zu schlafen, es wird abartig heiß. Aufgewacht zum Snack, das gleiche Bild. Ich frage wie lang wir noch fahren heute. Die Antwort ist 10 Uhr. Eine Italienerin hat zuvor gefragt wann wir ankommen. Die Antwort, welche sie sichtlich nicht erwartet hat war morgen. Mich überrascht das nicht, bin schon lange genug im Land und meine Geografiekenntnisse von Brasilien sind ausreichend um zu erraten das diese Strecke nicht in einem Tag machbar ist! Gegen 10 Uhr erreichen wir die Pousada in der wir übernachten wollten. Wir nehmen sie nicht, hat keine Garage oder abgesperrten Platz fürs Auto und sieht mehr als runter gekommen aus. Wir fahren weiter! Gegen 12 Uhr finden wir eine Pousada, von außen echt annehmbar! Innen, mehr als runter gekommen. So runter gekommen das die Mädels welche sich zu fünft, ein Ehebett und zwei einzelbetten teilen müssen kein Auge zu machen. Ich frage mich wie Idiotisch Brasilien sein kann. Dieses ungeschriebene Gesetz das Mädchen und Jungs nicht in einem Zimmer schlafen dürfen, denn wir hatten noch ein Bett frei. Macht aber nicht so viel aus, denn es geht um halb 4 schon wieder ins Auto. Back on the road mache ich das was ich am besten kann. Schlafen. Es wird heiß, wir spüren dass wir zur Sonne fahren! Selbst mit Klimaanlage wird man gebraten! Der Tag läuft ab wie der vorhergehende. Ich schau Landschaft an oder schlafe!

Abends erreichen wir endlich das Haus der in Recife. Pater begrüßt uns und ist sauer weil er nichts von unserer Ankunft wusste. Das Haus ist ein Jungshaus, der älteren Generation. Die Mädels werden in eine Pousada bebracht. Ich soll im Haus bleiben. Das Haus hat Strom, der ist zwar nicht immer da, aber meist. Wasser gibt es keins. Zum Duschen benutzen wir das Wasser das sich im grünen Schwimmbecken des Hauses gesammelt hat. Toilette wird mit dem gleichen Wasser gespült. Diese ist aber so widerlich das die Gedanken daran bereits verdrängt habe! Ich schlafe nicht mit Chicki und Antonio im Wohnzimmer sondern mit einem der Jungs im Zimmer. Die Nacht ist erholsam.

Am nächsten Morgen esse ich ein Stück Brot mit Käse, mehr hat das Haus nicht zu bieten. Da ich Kaffe nicht mag begnüge ich mich mit Wasser. Ich bin gerade fertig mit Zähneputzen da werde ich gerufen, die Mädels abholen. Ich will noch meine Sachen packen bzw holen aber dazu wird mir keine Zeit gelassen. Ein großer Fehler, denn während wir die Mädels abholen und auf dem Rückweg noch zu einer Taschenfabrik von CdM fahren, welche Taschen herstellt die wirklich verdammt schön sind, wird mein Rucksack von dem Jungen mit dem ich das Zimmer teile ausgeräumt und der Geldbeutel mitgenommen. Zurück im Haus esse ich erst und packe dann meine Sachen. Mir fällt auf das der Geldbeutel fehlt. Nachdem ich alles nochmal durchgeschaut habe sage ich den anderen Bescheid und rufe in Deutschland an um meine Karte sperren zu lassen. Der Pater ruf mich, er hat rausbekommen das es mein Zimmergenosse war und hat auch das Geld. Nach einer Weile habe ich auch den Geldbeutel wieder.

Jetzt bin ich da wo ich nicht hin wollte. Immer wird gesagt man muss aufpassen und ich dachte ich pass auf. Ich wollte eigentlich alle Taschen im Auto lassen, aber warum auch immer mussten alle ins Haus. Fehlende Kommunikation, wissen und Unterstützung führten nun zu dieser Situation, die mir wieder klar macht, dass wir mit Straßenkindern arbeiten. Die Situation ist allen Beteiligten leid und unangenehm. Der Pater kann nicht verstehen wie man den Geldbeutel im Rucksack vergessen kann und ich kann nicht verstehen warum man mich in einem Zimmer mit einem instabilen Straßenkind schlafen lässt. Es tut mir Leid für den Jungen, ich bin nicht sauer auf ihn, die Gelegenheit war gerade zu genial für ihn. Das Problem das er jetzt hat, er wurde aus dem Haus geschmissen und darf nicht mehr zurück. Er ist wieder auf der Straße. Androhung von Mord, Beziehung von Schutzgeld, und eventuell Selbstprostitution wird wieder sein Alltag sein.

Wie steigen wieder ins Auto um zu unserem eigentlichen Ziel zu fahren. Santana do Ipanema. Hier wird am Sonntag, also in einer Woche ein Kulturzentrum von CdM eröffnet. Wir kommen im Haus an und bekommen erstmal ein Abendessen und gesagt das sie Wasser haben. Das ist in dieser Gegend nicht immer selbstverständlich! Nach dem Abendessen gehen wir zu unserem Quartier. Bibelhaus nennt sich es. Was es genau für ein Zweck hat weiß ich nicht. Eine Matratze auf den Boden wird mein Bett für den Rest unseres Aufenthalts sein!

Eine Woche Santana do Ipanema

Piep, Piep, Piep, Bon dia Mirko leandorado! Piep, Piep, Piep, Bon dia Mirko leandorado! Voce ten Dinero para compra pao? Piep, Piep, Piep, Bon dia Mirko leandorado!Piep, Piep, Piep, Bon dia Mirko leandorado!
Ich habe einen Spitznamen bekommen. Mirko Leandorado! Und ich werde vom Fahrer Isaías mit einen drei mal wiederholenden Piepsen und dann mit einem lang gezogenen und in tiefer Tonlage gesprochenen Bon Dia mit einem Namen geweckt. Es wird zum running Gag werden und die komplette Zeit werde ich so geweckt und später auch gerufen werden. Ich mach mit und finde es lustig!

AGUA
Saias der Fahrer ahmt mich nach, wie ich eines Tages versuche zu sagen das wir Wasser trinken gehen! Vamos bebemos AGUA. Das AGUA langsam und jeden Buchstaben betonend gesprochen wird auch zum running Gag. Egal was getrunken wird, es wird zu AGUA! Besonders der Zuckerrohschnaps wird gerne durch das Wort AGUA ersetzt!

Handypadre
Eines Tages, die Messe im Kinderheim beginnt wie immer im Name es Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes, Amen! Auch fortgesetzt wird sie normal. Doch dann passiert etwas das in Deutschland zu bösen Blicken führt. Ein Handy klingelt – soweit nichts ungewöhnlich in Brasilien. Die klingeln hier öfters, allerdings ist es nicht irgendein Mobiltelefon sondern das von Padre Renato. Naja auch das kann hier mal passieren denk ich mir doch dann kommt das unglaublichste. Er nimmt den Anruf an und fängt mitten in der Messe an zu telefonieren. Nach einer Minute, wir standen gerade, setzen wir uns und warten noch weitere zwei Minuten. Ich nutze die Zeit um ein Schnappschuss mit dem Foto zu machen. Danach wird die Messe wie gewohnt weiter gesetzt, bis der Messdiener, ein Kinderheimkind was falsch macht und dafür das Tuch mit dem der Kelch gereinigt wird von Padre an den Kopf geworfen bekommt. Kirche, etwas anders, aber ich finde es cool! Fehlt nur noch Werbung während der Predigt!

Heimweg
Renata: Lets go to the other side of the road
Me: No, we must go the next right
Renata: Yeah, but the right side has light
Me: Oh, ok if you want
Ein Tag später
Kannst du dich erinnern das ich gestern die Straßenseite gewechselt habe? Ja klar kann ich das! Auch das ich gesagt habe da ist Licht und du nicht wolltest? Ja klar! Hinter uns, bzw hinter dir, ist ein Mann gelaufen der seine Waffe gezogen und geladen hat, deswegen sind wir zur belebten Seite der Straße gegangen. Er wollte dich überfallen. Kass, das habe ich gar nicht gemerkt. Ja natürlich nicht, er war ja auch hinter dir! Ich hab ihn nur im Augenwinkel bemerkt!

Fahrtwind
Die Mädels bleiben hier und die Jungs gehen hoch auf die Baustelle. Die Baustelle ist das Kulturzentrum das in ein paar Tagen eröffnet werden soll! Also schnappe ich mir meinen Wassersack und geh los. Wir sind nur 4 Jungs heute. Als ich aus der Haustür komme, fange ich an zu grinsen. Es steht der Pickup da. Das heißt nichts wie auf die Ladefläche. Jippi hinten drin sitzen den Wind genießen! Leider sind diese Fahrten immer zu kurz!

Hausbesuch
Wir gehen zu einem der Kinder nach Hause, du kannst mit! Also nichts wie rein in den Volkswagen T1 Transporter der erst 1 Monat alt ist, erst 200 Kilometer hat und hier noch gebaut wird! Die Fahrt dauert eine Stunde wird mir gesagt. Als wir nach 15 Minuten anhalten und aussteigen und frage was das für eine Zeitrechnung ist wird mir gesagt das der Transporter nicht mehr weiter kann. Ab nun geht es im Pick-up weiter. Auf der Ladefläche natürlich! Die Landschaft sieht aus wie ich mir Afrika vorstelle. Ein paar Hügel am Horizont, Trockenheit, Staub und Dürre! Wir fahren also wirklich noch ca 45 Minuten, vorbei an einzelnen Häusern sogar eine kleinen Siedlung mitten im nichts. Aus den Häusern werden zunehmend Lehmhütten. In einer weiteren Siedlung halten wir an. Viele Häuser sind aus Lehm.

Wir müssen noch ein Stück laufen. Die Sonne brennt brutal am Himmel! Wir kommen an und es übersteigt jegliche Vorstellungskraft. Diese Lehmhütte, das Hab und Gut was diese Leute haben ist weniger als wert als die Klamotten die ich trage! Wir sollen eintreten in die Hütte, es gibt 3 Räume, in einem steht ein Ehebett das von 4 Leuten, zwei Mädchen und zwei Frauen benutzt wird. Die Küche ist nicht mehr als eine Feuerstelle und ein Topf. Das Wohnzimmer ist ein Sofa, und viele Klamotten die auf Müll herum liegen! Der Kontrast der Lehmhütte und das Lächeln der Kinder ist weit aus größer als der Kontrast von Schwarz und Weiß! Ich mache keine Bilder auch wenn ich gesagt bekomme das ich Bilder machen kann! Ich kann nicht! Ich hätte das Gefühl die Ehre dieser Menschen zu verletzten. Auch die anderen machen kein Bilder und es ist eine seltsame Stimmung. Nur ein Bild wird gemacht, weil die Kinder unbedingt ein Bild wollen auf dem sie alle aus dem Fenster ihres Hauses schauen!

…das T-Shirt klebt am Körper,
kann kaum glauben das meiner fast zerstört war,
ich hab die zweite Luft,
vom frischen Rasenduft…

Sportfreunde Stiller – Dem Fritz sein Wetter

Ok, das T-Shirt klebte weil es heiß war, obwohl die Sonne am untergehen war, und der Rasendurft war nicht zu riechen da es eher einem Acker glich! Aber es war super Spaßig mit den einheimischen zu Kicken! Und ich hatte sogar ein paar mal den Ball erkämpft! Es waren ja aber auch nicht gerade ideale Bedingungen für einen Deutschen. Hitze, Staub und ein Boden der so was von Schmerzt wenn man Barfuss über ihn rennt. Barfuss, klar Barfuss! Die Leute haben kein Geld für Sportschuhe! Dennoch war es echt lustig und es ist einfach ein geniales Spiel den überall auf der Welt, das Runde muss ins Eckige! Was mir hier in Brasilien auffällt, 11 Freunde müsst ihr sein, ist hier noch nicht angekommen. Es gibt kaum Pässe und extrem hohen Ballverlust beim Fuddeln! Mit meiner Passbereitschaft waren die Brasilianer dann schon sehr verwundert und teilweise so überrascht den Ball wieder zu bekommen das sie ihn nicht angenommen haben! Dennoch machte es super viel Spaß!

Volksbus
Hier in Brasilien gibt es von VW auch LKWs und Busse. Das dies aber nicht ganz so wichtig ist zeigt sich wenn man zu zweit im Kofferraum eines VW T1 Transporters sitzt und im restlichen Auto noch 14 weitere Leute. Und ich muss euch mal eins sagen! Im Kofferraum hätte sogar noch jemand Platz gehabt!

Wir wollen trinken sieben Tage lang,
wir wollen trinken so ein Durst!

Ja haben wir auch, jeden Abend ein, zwei, mehr Bier! Und ab und zu gab es auch ein bisschen AGUA! Was ich cool fand,  nach dem Eröffnungsfeier, als alles vorüber war, sind wir einen heben gegangen! Ich habe gleich mal mit den Jungs einen Vorgelegt und bevor alle saßen hatten wir den ersten halben Liter AGUA beseitigt und waren schon beim Bier angekommen! Naja und bei Bier können sie dem Deutschen nix erzählen. Die trinken zwar schnell aber ein Bier bekommt der Deutsche einfach schneller runter! Beim AGUA habe ich allerdings noch Trainingsbedarf!
Am nächsten Tag – Kein Kopf, nur ein bisschen Brand und abgesehen von der Tube Zahnpasta die sie mir während ich geschlafen habe in die Haare geschmiert haben ging es mir blendend. Nach dem Frühstück haben wir angefangen alles zu putzen da dies unser letzter Tag war! Bei der ersten Pause zaubert dann einer eine Dose aus dem Kühlschrank. Aber kein Cola oder Bier. Nein eine Dose Pitu! Ja hier gibt es Schnaps in Dosen! Krass und das musste ich auch gleich probieren, morgens um 11 Uhr! Prost!

Nos voltamos

Es ist 6 Uhr, ich werde pünktlich geweckt um noch eine Dusche zu nehmen. Wer weiß wann ich wieder die Möglichkeit habe. Ab zum Frühstücksraum und ein Brötchen und Früchte nennen sich mein Frühstück. Dazu einen Tee! Schmecken tut er nicht aber besser wie das Wasser!

Vinganca – lautet das Stickwort, das mich mit einem Stück Papaja, Saias und Chicki hinterherrennen lässt. Sie haben Milchpulver und auch Papaja in der Hand. Es geht ins Quatier und hier wird dann erstmal schön die Papaja und dann das Milchpulver ins Gesicht von Wales geklatscht! Traumhaft!

Du darfst alles machen, wenn du das Echo verträgst – Pflegte Dieter immer zu sagen.

Genau das können die meisten Menschen mit denen ich zusammenarbeite nicht. Die Straßenkinder können nicht einstecken, nur austeilen. Auch nachdem sie schon lange resozialisiert sind, vieles erinnert einen noch an Ihre Vergangenheit. Das wird mir wieder klar. Vor zwei Tagen hat Wales mich am Frühstückstisch zugequatscht und nur dummes Zeug gelabert. Wenn Chicki die Geschichte erzählt sagt er immer, ich hätte schon längst was gesagt oder ihm eine gegeben aber der Deutsch ist ewig stumm geblieben und als Wales aufgegeben hat sagt er ganz locker „Foda-se“ (Fick dich!)
Nun nachdem ich dies getan habe war er so beleidigt das er den ganzen Tag nicht mehr mit mir geredet hat und Fick dich ist hier nun eigentlich schon kein Schimpfwort mehr! Und schon gar nicht wenn man bedenkt das er mich seit Tagen Harry Potter nennt und es quasi herausgefordert hat. Für die anderen bin ich nun ein Stück mehr Brasilianer geworden, und cool dazu, da ich den Streit gewonnen habe, weil ich quasi im Finale den letzten Satz gesprochen habe. Er nimmt es Tapfer und auch nach der Racheaktion belässt er es und sagt mir freundlich auf Wiedersehen! Vor ein paar Jahren hätte er mich vielleicht für seine gekränkte Ehre erschossen oder so! Heute ist er weiter! Man sieht Erfolge, doch die Vergangenheit ist noch und ich glaube für immer präsent!

Wir sitzen endlich alle im Auto fahren zum CdM Haus und holen Lusinia, Adriano und Helan ab und dann den Pater. Auf geht’s zu einem Treffen um eine Halle zu besichtigen in der CdM eventuell eine Show machen will. Ich geh raus um noch zum Supermarkt zu gehen, da seh ich mein Traumfahrzeug!

Carro bonito (schönes Auto) sage ich zu Isaías der auch begeistert ist. Beschreiben ist quasi unmöglich, dennoch werde ich es mal versuchen. Eine Art Fahrrad mit Drei Rädern, eig eher ein Dreirad, mit Dach und Karosserie. Hinten eine riesige Lautsprecherbox. Vorne ein Lenkrad, Verstärker, Autoradio, Minimischpult und Mikrofon. Damit wird durch die Straßen gefahren und Werbung gemacht. Ich bin begeistert und darf sogar ein Stück damit fahren. Es läuft Musik und ich kämpfe mit dem vorwärts kommen. Gar nicht so einfach, denn die reifen sind nicht wirklich aufgepumpt. Dazu wackelt das ganze bedenklich und die Übersetzung ist zum Anfahren nicht die beste! Aber dafür liebe ich Brasilien, es besteht aus alten Auto, Fahrrad und was weiß ich Teilen! Ich erkläre denen das ich auch eins will aber das ich ich Deutschland keine zwei Minuten fahren würde bis die Polizei da wäre!

Wir schauen uns noch den Ort an denn CdM wurde gefragt hier auch ein Haus auf zumachen. Der Ort ist klein hat aber die Probleme der Städte. Die Armut ist hier viel sichtbarer als in Rio de Janeiro. Viele Häuser sind aus Lehm gebaut, haben kein Wasser was man an den fehlenden Wasserkisten sieht. Die Wäsche hängt außen an der Hauswand. Oft besteht alles nur aus einem Raum. Die Leute sitzen auf der Straße oder im Hauseingang.Das Leben findet auf der Straße statt, klar in diesen Häusern will man nicht sitzen! Ich bin froh das bei uns das Leben im Haus ist auch wenn ich mir so oft wünsche das auch in Deutschland leben auf der Straße ist, aber nicht zu diesem Preis. Wir fahren weiter und sehen durchweg dieses Bild, auf der Straße, welche aus Lehm besteht fließt auch das Abwasser was man ganz deutlich riecht. Uns wird gesagt das die Mädchen hier zwischen 12 und 14 Jahren Mütter werden. So ist auch das Bild! Viele Junge Menschen auf der Straße!

Nachdem wir noch gut gegessen haben in einem Restaurant das nur mit biegen und brechen uns allen ein Platz bietet machen wir es uns wieder im Sprinter bequem! Pater Renato und Adriano bleiben da, sie fliegen mit dem Flugzeug zurück!  Diesmal schlafe ich nicht die ganze Zeit, ich schau mir die landschaft an, welche wirklich viel zu bieten hat. Ab und zu sieht man Lehmhütten oder ganze Lehmhüttendörfer am Straßenrand. Wir passieren etliche Feuer, teils Waldbrände teils Müllverbrennung. Hin und wieder passieren wir eine Dorf, es hat meist eine Tankstelle, Restaurants und eine Pousada. Im ganzen Ort sind tausende von Trucks am Straßenrand oder auf dem riesigen Parkplatz der Tankstelle geparkt! Diesmal machen wir früher Stop und die Pousada ist viel besser. Warme Dusche, erst jetzt merke ich wie sehr ich sie vermisst habe und wie viel sauberer man wird! Früh am Morgen setzen wie die Riese fort und wieder schlafe ich nicht so viel wie bei der hinfahrt! Schaue die Landschaft an und unterbreche meine Träumerei ab und zu für ein „Ei Caramba“ oder „Oh meu Deus“ (Oh mein Gott)! Diese in schriller Hausfrauenstimme Worte schleudere ich raus wenn uns mal wieder in der Kurve oder hinter eine Kuppe 2 Autos, bzw. Trucks anschauen, einer davon auf unsere Spur! Ich glaube ich bin der einzigste im Auto dem das nicht so viel ausmacht. Ich mag es, hat ein Stück von Achterbahn. Sie fahren mich ob es mir gut geht ich Antworte nur „Tenho Seguranca de Vida“ (Habe Lebensversicherung) – alle Lachen! Heute machen wir viele Stops, z.b. um Zuckerrohschnaps zu kaufen oder einen Kuhfänger für den Pickup von CdM mitzunehmen und fahren nicht lange weil es einer Italienerin nicht gut geht! Die Pousada ist wieder absolut in Ordnung, wieder warmes Wasser und leckeres Essen. Zeit endlich mal ein bisschen zu schreiben bevor ich alles vergessen habe!

Morgen stehen wir um 6 Uhr auf und wollen gegen 2 Uhr in Miguel Couto unsere Reise beendet haben. Was bleibt ist viel mehr als nur eine Eröffnung eines Kulturzentrum!

Es bleiben etliche Eindrücke die man auf Reisen so nicht gewinnen kann! Erfahrungen welche ich nie wieder vergessen werde, Erfahrungen wie ich nicht wieder machen will aber auch welche die man sich nochmal erwünscht!

PS: Ich habe GPS-Daten der Reise bekomme sie zur Zeit aber noch nicht in ein passendes Format!


Das Copyright einiger Bilder liegt nicht bei mir!

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Eine Antwort auf Rückenwind

  1. Möckel sagt:

    Hallo Mirko, wir haben Deinen Bericht vom 30.nov.gelesen
    Super
    Gruß Rosemarie und
    Eberhard, Viernheimn

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