Ein gar nicht so einfaches Jahr

God I feel like hell tonight,
tears are reached i can not fight,
be the last help, you understand,
are you strong enough to be my men,
my men

Sheryl Crow – Strong enough

Nachtrag: Dieser Artikel berichtet nicht von mir! Ich berichte hier über jemand anderes!

Ich wache auf mit dem Gefühl einen grauen Tag zu beginnen! Ich öffne die Augen und mich blendet die Sonne! Irgendwas stimmt nicht. Die Hitze trügt! Sie lügt mir frech ins Gesicht und nun fällt mir auch wieder ein wieso. Ich schaue auf mein Handy! Da kam gestern Nacht eine SMS. Schlaftrunken kann ich mich nur noch an Stichworte wie Entscheidung, zurück und telefonieren erinnern. Ich lese die Nachricht nochmal! Wolken ziehen auf, in meinem Kopf, während ich bei der wärme schon zu schwitzen anfange!

…um ihm mitzuteilen,dass ich abbreche.ich kann nicht bleiben,es ist besser

Dieser SMS vorausgegangen waren etliche e-Mails, Simse und lange Gespräche zum Teil mit Teamern auf dem Zwischenseminar. Es wurde klargestellt, Tatsachen betrachtet und es tat sich sogar ein Lichtblick auf. Doch was nützt das, wenn man keine Kraft mehr hat. Keine Kraft mehr zu kämpfen, gegen die einwirkende Kultur, Sprache und widerwillige Aufnahmeorganisation. Wenn keine Kraft mehr da ist die einzelnen Parteien, welche alle was anderes erzählen zu vereinen und zu Gesprächen zu erziehen. Wenn keine Kraft mehr da ist einen Job zu machen, der beim Freiwilligen eigentlich nichts zu suchen hat.

Was ist los? Ich will bei Weltwärts anfangen und über die Entsendeorganisation bei der Aufnahmeorganisation ankommen! Weltwärts ist ein Förderungsprogramm der Bundesregierung, und wie alle Förderungsprogramme der Bundesregierung eine gute Idee bloß nicht zu ende Gedacht. Da fehlt den Kompetenzsimulaten einfach an gesundem Menschenverstand. Was macht also Weltwärts? Weltwärts fördert das FSJ (Freiwillige soziale Jahr) im Ausland. Bezahlt wird von der Bundesregierung also Flüge, Seminare, Taschengeld und Unterkunft. Soweit ist ja alles super. Doch schaut mal man genauer hin werden die Missstände klar deutlich.

Als Beispiel will ich das Taschengeld nennen welches bei allen Freiwilligen, egal wo, bei 100 € liegt. Kein Unterschied wo man hin geht. Also für mich im zweit teuersten Land Südamerikas, Brasilien, und in der zweit teuersten Region von Brasilien, Rio de Janeiro, reicht es nicht aus alles zu erleben was man eben in einem Jahr mitnehmen will an Sehenswürdigkeiten, Kultur und mehr. Ist auch nicht weiter tragisch. Der Freiwillige darf auch ruhig selbst etwas übernehmen. Doch wie sieht das aus wenn ich nach Bolivien gehe. Dort im wahrscheinlich ärmsten Land Südamerikas, komme ich mit 100€ im Monat gut über die Runden. Umgerechnet kostet dort ein gutes Mittagessen 60 Cent! Die Freiwilligen dort also, haben am Ende vom Monat noch was übrig. So freiwillig klingt das irgendwie nicht mehr. Wieso passt man das Taschengeld nicht am Land an. Möglichkeiten gäbe es genug dies fair an zu passen!

Missstände gibt es meiner Meinung nach fast in allen Punkten des Weltwärtsprogramms, auf welche ich aber nicht weiter eingehen will. Doch da das Programm in der Presse gut da steht und Werbung für Deutschland macht, weil es gut aussieht wenn viele Freiwillige ins Ausland gehen wird weiter gemacht. Kurz um, die Trägerorganisation sollen mehr Plätze schaffen. Also werden Plätze aus dem Boden gestampft bei Aufnahmeorganisation welche gar kein Bedürfnis haben, höchstens am Geld welches der Freiwillige bringt oder auch noch gar nicht bereit sind einen Freiwilligen auf zu nehmen.

Nun, hier sind wir, bei einer Aufnahmeorganisation welche gar keine Freiwilligen will und benötigt! Der Laden läuft, der Freiwillige ist überflüssig. Er stört, war von machen wohl auch gar nicht gewollt. Hinzu kommt ein Kommunikationsproblem und damit meine ich nicht die Sprachbarriere sondern das einfach keine Kommunikation statt findet, zwischen den Parteien. Wer letztendlich darunter leidet ist der Freiwilliger. Er hat keine Macht aus zu üben und ist das schwächste Glied! Irgendwann kann er nicht mehr! Er resigniert ist psychisch und körperlich am Ende.

Ich versuche mich rein zu denken wie es ist, jetzt gehen zu müssen. Stelle mir die Leute vor, die blöd fragen und es nicht verstehen können. Das Leben als Freiwilliger ist hart! Man sieht im Blog oft nur die schönen Momente! Man lernt Kultur, Sprache und muss dabei noch irgendwie seinen Job machen. Die Tage hier sind extrem Anstrengend! In vielen Ländern kommt noch die Hitze, Kriminalität und Gewalt dazu.

Ich handle nur noch aus Wut

Die oben Zitierte SMS sowie das gerade genannte Zitat drückt eigentlich schon alles aus. Diese Hilflosigkeit, diese Verzweiflung. Ein Tag später folgte der SMS noch eine e-Mail! Am liebsten würde ich sie hier veröffentlichen, den sie zeigt das gesamte Ausmaß. Resignation, Müdigkeit und Bauchweh, sind die für mich prägende Begriff, welche im ersten Teil der Mail stehen. Weiter braucht man glaube ich auch nichts zu sagen.

Ein abschreckendes Beispiel und ein Armutszeugnis für Weltwärts, Träger- und Aufnahmeorganisation!

Sollte dir jemand in Deutschland dumm kommen, du solltest ihn einfach erschießen und Resignation zeigen! Ist doch nicht so schlimm! Solche Fälle bekommt man im manchen Ländern mit! Demonstriere, dass wir  über unsere Grenzen treten. Vielleicht nicht so extrem wie in diesem Beispiel aber das spielt keine Rolle wenn man seine Grenze übertritt. Das Gefühl seinen Horizont über Meilen zu überreizen, sprachlos, hilflos und verständnislos zu sein. Es einfach nicht verstehen zu können, wie ein Baby nicht versteht das die Steckdose gefährlich ist! Man sucht jem. mit dem man sich austauschen kann und findet oft niemand der einen Versteht. Die Einheimischen sind solche Fälle gewöhnt, verstehen nur bedingt das wir so etwas erstmal stark auf arbeiten müssen. Ergo, man fühlt sich alleine und hilflos. Es ist ein Gefühl welches mit viel Entschlossenheit und Kraft entgegen getreten werden muss. Wenn dies nicht mehr vorhanden ist, weil es schon an anderen Stellen verbraucht ist, macht es einen Kaputt.

Ich haben großes Verständnis für deine Entscheidung und begegne dir mit viel Respekt, dass du rechtzeitig die Bremse ziehst, bevor du als Wrack in Deutschland an kommst! Ich wünsche dir alles Gute, einen guten Start in Deutschland und das du nie wieder so eine Erfahrung machen musst, dass Kompetenz auf deinem Rücken ausgetragen wird!

Dieser Artikel ist für dich, dein Schicksal hat mich sehr mitgenommen!

6 Antworten auf „Ein gar nicht so einfaches Jahr“

  1. Traurig aber wahr…Guter Artikel über eine ungute Situation. Ich hoffe, dass er einige Leute in Deutschland zum Nachdenken anregt!
    Auch ich habe großen Respekt vor dieser Entscheidung!

  2. Mal wieder ein eindrucksvoller Artikel.
    Ichziehe den Hut vor allen, die sich für ein Jahr im Ausland entscheiden oder sich auch zu einem Abbruch entschließen.

  3. Der Artikel geht unter die Haut Schade, dass eine gute Tat so enden muss.

    Um so glücklicher bin ich , dass du es wirklich gut erwischt hast. Nicht ganz ohne Probleme, aber du wirst nicht gemobbt. Und wenn ich an die Sozialeltern, die Haushälterin und ganz besonders an Renata denke, die mögen dich doch alle. Und auch mit den Freunden auserhalb von Casa do Menor , da hast du doch wirklich tolle Leute getroffen.

  4. Hi!
    Ich bin durchs stundenlange Surfen auf diesen Artikel getroffen. Und er hat mich sehr aufgebaut! Ich bin gerade mit weltwärts in Indien. Ich habe mich in deinen Ausführungen selbst erkannt. Bauchschmerzen, Wut… all das habe ich hier jeden Tag. Ich bin vor zwei Monaten hierhergekommen um mit Jugendlichen zu arbeiten. De facto sitze ich von morgens bis abends in einem Büro, mache die unnötigsten Sekretärinnen-Arbeiten und werde überhaupt nicht ernst genommen. Ständig versuche ich, mit den Organisationen zu reden. Ein Abbruch ist so verdammt teuer, deshalb zögere ich. Aber ich fühle mich beschissen. Morgens quäle ich mich aus dem Bett und hoffe, dass der Tag schnell rumgeht. Danke für deinen Post, er hat mir ein wenig Mut gemacht. Manchmal ist ein Abbruch eben doch das sinnvollste, nur leider sehen das BMZ sowie die Organisationen nur den Kostenfaktor und nicht die Unzufriedenheit der Freiwilligen.

  5. Hallo, der Artikel ist wirklich gut… musste der jenigr die kosten des weltwärts-dienstes dann übernehmen? Denn ich würde auch gerne abbrechen, aber ich möchte nicht dass das alles meine Eltern bezahlen müssen…

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