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Bolivien SDVF Vorbereitung

Nach einem Monat im Cocha-Rausch!

„Sag wie ist die Luft dort oben?

Sag wie sieht es von so weit oben aus?

Bist du überm Teich gut aufgehoben,

oder sehnst du dich wieder zurück nach Haus?“

„Dirk wie ist die Luft dort oben?“ – Sportfreunde Stiller

Vorabinformation:

Diesen Artikel schreibe ich zum Teil von der Toilette aus. Das ständige Schreibtisch-Toiletten-hin-und-her-Rennen hat mich zu diesem Schritt gedrängt. Status hierbei: Laptop auf einem Stuhl, neben dran eine Flasche Guarana-Limonade (Anm. vom Autor: die beste Limo auf Erden) und „Elite Ultra Doble Hoja“, das beste Klopapier das man hier bekommen kann. Logischer Weise auch teurer aber das ist es mir wert, da das andere ca. 0,0000001mm dick ist und rau wie Schmirgelpapier. Mein Laptop spielt Guns’n’Roses, Santana und Bob Dylan so ist es auch hier im Bad recht gemütlich. Warum ich überhaupt hier sitze? Nun ja… Am Donnerstag gab es Salat hier im Projekt zum Essen. Björn und ich als Salatfans ließen uns nicht Lumpen und haben uns davon einiges gegönnt. Dass man für seine Taten schließlich auch einstehen muss, oder auch sitzen, dürfen wir jetzt erfahren! Deutscher Magen hält eben nicht alles aus! Kohle Tabletten und Brausepulver ist jetzt angesagt! Ich erzähle davon auch eher stolz als das es mir peinlich ist. Essen auf der Straße, Oragensaft am Straßenstand ja sogar etwas, was ich nicht einmal kenne hat mein guter Magen ausgehalten. Oft haben mich die Bolivianer gefragt: „Und wie geht es deinem Margen? Alles klar?“ (¿Esta todo bien con tu stomago? ¿Tienes un stomago enfermo?) Immer konnte ich bisher sagen: „Jeps alles supi!“ (¡Mi stomago esta muy bien!) Das hat sich jetzt eben geändert… Das Essen in Tiquipaya ist zwar meist gut und lecker,  auch sauber, jedoch ist Salat für deutsche Magen immer gefährlich und hier in Tiquipaya sowieso.

 

Jetzt zum eigentlichen Eintrag:

Unglaublich was man alles sieht. Im Cocha-Rausch lässt es sich gut leben! Nein! Nicht Coca, Drogen nehme ich nicht! Cocha, die Abkürzung für Cochabamba! Ich mag diese Stadt wirklich sehr! Die Plätze sind meist wirklich schön, es ist zwar hier und da dreckig jedoch auf den meisten Plätzen wirklich ordentlich. Es gibt Märkte u.a. die Cancha auf der man wirklich alles bekommt. Es wird gemunkelt, von der Zahnbürste über Auto und Haus bis hin zum Flugzeug. Also wirklich alles. Die Verbindungen sind auch sehr gut, man kann wirklich alles erreichen. Wer abends feiern will wird auch hier nicht zu kurz kommen, über ein riesen Kino-Center, dass beispielsweise dem Kinopolis in nichts nachsteht, außer in der Unhöflichkeit, die wohl im Viernheimer Kino Tugend ist, den hier ist man wirklich viel freundlicher, bis hin zu Bar-Diskothek-Verschnitten in denen traditionelle Tanzmusik gespielt wird und auch eine Feuerstange zum Runterrutschen ist. Natürlich gibt es auch normale Bars, davon nicht zu wenige, und normale Diskotheken wie wir sie aus Deutschland kennen. Was sollte man aber immer machen bevor man Feiern geht? Genau, Essen!!! Da kommt es doch gerade gut, dass Cochabamba als „Hauptstadt des Essens“ gehandelt wird. Hier gibt es wirklich alles was das Herz begehrt! Vom westlichen Burgerking (Ja Fam. Shaffi ist auch hier vertreten :-D) über das „Suiza“ in dem man gute nationale und internationale Gerichte bekommt bis hin zum traditionellen Restaurant und zu traditionellen Gerichten, wie Trancapecho, Pique, Salteñas und Kartoffeln aller Art! Dann muss ich noch was unbedingt loswerden für alle Badesalz-Fans. Ich habe YUKA gegessen! Allerdings Yuka Kartoffel und keine Palme (Anm. vom Autor: Badesalz – Nicht ohne meinen Papa – Track 09) Weiß und süßlich. Einen weiteren Mythos muss ich aber zerstören. Die so wunderbar exotisch klingende Papaya ist gar nicht so cool! Vielleicht aber auch Geschmackssache.

 

Genug zum Essen vielleicht hier ein anderes mal mehr, wenn ich alles probiert habe!

Hier mal wieder ein paar Anekdoten von Dingen die ich erlebt habe:

 

1. Was macht man wenn das Truffi weiterfährt?

Als Björn und ich eines Abends wieder nach Tiquipaya fahren wollte hab ich eine wirklich amüsante Beobachtung gemacht. Mit mir zwei junge Bolivianer die mir dann großzügig von ihrem Popkorn etwas abgegeben haben. Wahrhaftes Kinofeeling mitten auf einer Großstraßenkreuzung! Folgendes geschah: Ein man wollte in ein Truffi einsteigen. Das Truffi hielt sowieso weil die Ampel rot war. Ja auch das gibt es manchmal, bei Rot anhalten! Kurz bevor der Mann den Griff erreicht hat fuhr der Fahrer los. Da dachte sich der Mann wohl, nicht mit mir und schlug einfach mit voller Wucht die Scheibe ein! Hammerhart! Die zwei Jungs und ich waren schon im Kopf verwirrt ob wir lachen oder verwundert sein sollten. Das Lachen gewann schließlich als der Fahrer ausgestiegen ist und nach dem Übeltäter gesucht hat. Ich erkläre dies anhand einer Zeichnung:

 

Im späteren Verlauf und Gespräch, kamen folgende zwei Versionen:

1. Version des Fahrers:

Er habe den Mann nicht gesehen, und sei daher weitergefahren.

2. Version des Mannes:

Er wollte nur die Tür aufmachen, als der Fahrer jedoch los gefahren ist schlug er dann versehentlich gegen die Scheibe.

 

Unglaublich mit wie viel Kraft man eine Tür hier scheinbar öffnen muss!

Der einzige Haken an der Geschichte ist, dass ich aufgrund dessen ca. 2 Truffis verpasst habe die in meine Richtung gefahren sind… Aber das war es wert!

 

2. Oppala!

Ich glaube der Titel würde jetzt auf zwei verschiedene Arten von Geschichten passen:

Einmal wenn irgendwas kaputt geht aber „nix passiert“ ist oder wenn irgendwas schief gelaufen ist.

Bei mir Letzteres. Ich saß unschuldig im Internet-Café, antwortete auf E-Mails, schrieb mit Jana und Gretchen, schaute mir die aktuellen Fußballergebnisse an und checkte ab ob es neue Kommentare zu Blogeinträgen gab. Nach getaner Arbeit bemerkte ich, dass ich 3,5 Bolivianos zahlen müsste. Zuerst schaute ich in meine rechte Hosentasche, wo ich mein Truffi-Geld bereit habe, also nur Kleingeld. Da waren aber nur 2 Bolivianos drin.„Kein Problem…“ dachte ich mir; „…ich habe ja noch meinen Geldbeutel“. Nun ja falsch gedacht. Der lag nämlich in Tiquipaya auf meinem Nachttisch. Was nun? Ich besprach mich mit Jana, die wirklich keine Hilfe war und spätestens nachdem ich ihr gesagt habe das es nur um 20cent (Anm. vom Autor: Inzwischen musste ich 4Bs Zahlen) geht angefangen hat zu lachen. Mit Gretchen besprach ich mich weiter meiner Vorgehensweise. Sie bemerkte die ernste Lage vor allem daran, dass ich die Gretchenfrage inzwischen sogar mit „Nein“ beantworten würde (Anm. vom Autor: f diese Frage komme ich in 3.). Schließlich bemerkte ich, dass inzwischen eine weitere Deutsche in diesem Internet-Café saß. Danke! Nachdem mir Gretchen Mut mit auf den Weg gegeben hatte, ging ich entschlossen zu ihr. Meine Güte war mir das peinlich! Jetzt musste ich schon in einem Land, indem ich ja eigentlich schon reich bin nach Geld betteln. Zum Glück erwischte ich eine sehr sehr nette Freiwillige, die mir sofort die 2Bs (Anm. vom Autor: 20 Cent) gab und sich mehr darüber freute einen neuen Freiwilligen kennen zu lernen, als mir noch mehr Peinlichkeit zu vermitteln! Fazit: Noch einmal Glück gehabt!

 

3. Die Gretchenfrage

Zu aller erst: Nein ich werde jetzt nicht auf Faust eingehen! Diese Gretchenfrage ist viel essenzieller als jene Gretchenfrage aus Faust.

Eigentlich hatte ich schon lange vor es der publik zu machen, jedoch wollte man mir dazu einfach keine Zeit schenken. Nun jedoch, nachdem ich seit geraumer Zeit mal wieder an sie erinnert wurde, komme ich nicht umher sie endlich auf Papier beziehungsweise Dokument zu bringen. Zuerst werde ich die Gegebenheiten zu jener Zeit, in welcher mir die Gretchenfrage zum ersten Mal gestellt wurde, erläutern.

Es war einmal Anfang Juni dieses Jahres. Während meine Abiturkameraden feierten und Streiche machten begab ich mich auf die eineinhalbstündige Reise nach Odernheim an der Glan zur Bannmühle. Dort fanden sich viele Freiwillige aus den Gebieten Trier, Mainz und Braunschweig wieder. Den in den nächsten 10 Tagen sollte hier das Vorbereitungsseminar statt finden für unser Auslandsjahr. Nach einigen Tagen, Seminaren, Selbstfindungseinheiten, Workshops und Improvisations-Theatern lernten wir Teilhabenden uns ein wenig näher kennen. Eine besondere Verbindung entstand zwischen Margarete und mir. Ihr unglaublicher Dialekt und mein scheinbares Hochdeutsch bzw. Ourewällerisch. Ihr: „FeRRRRRRtig“ oder „Nur die HaRRRRRRRten kommen in den GaRRRRRRten“ und mein: „Aja, als grad vonne naus weg“ oder eben „Der Rhabarber-Kuchen mundet vorzüglich“. Da geschah es. Die Sonne hat sich schon längst vom Mond ablösen lassen. Der zweite Kasten Bier wurde schon aus der Tiefkühlanlage der Metzgerei geholt. Dann ihre Frage. Die Gretchenfrage: „Eh, sach mal, bist du eigentlich mit deinem Leben zufrieden?“ Zuerst war ich schockiert. Ich meine was sollte ich den da antworten und war das jetzt beleidigend gemeint oder wie? Ich entschied mich zu einem entschlossenem „Ja“. Antwort: „Das habe ich mir gedacht.“ (Anm. vom Autor: Ich übersetze alles was Gretchen sagt schon mal ins Deutsche, den Dialekt zu schreiben ist wirklich schwer.) Danach folgte die weitere Erklärung: „Ich hoffe du verstehst das nicht falsch, das war jetzt nicht böse gemeint, ich weiß das es komisch klingt.“ Ja das tut es. Ich dachte noch ein wenig über die Frage nach, bis ich eine Gegenfrage ausgearbeitet hatte: „Bist du den nicht mit deinem Leben zufrieden? Und wenn du es nicht bist warum änderst du es dann nicht?“ Ich hängte noch eine Erklärung hinten an: „Jeder sollte doch diese Frage mit ja beantworten können, und wenn nicht dann sollte er etwas ändern oder? Wenn man sie doch mit nein beantworten müsste, dann doch nur für eine kurze Zeit, weil etwas Schlimmes passiert ist.“

Es folgten lange Diskussionen, und so wurde die Gretchenfrage ein zentrales Element des Abends und unserer Konversation im weiteren Verlauf des Seminars.

Ich erläutere das Ganze, weil es gut möglich ist das ich anhand der Gretchenfrage Erlebnisse in anderen Blogeinträgen beschreibe.

Letztlich blieb sie im Raum stehen und das will ich auch hier so machen: Die gesamte Gretchenfrage: „Eh, sach mal, bist du eigentlich mit deinem Leben zufrieden? Und wenn nein warum änderst du nicht etwas?“

7 Antworten auf „Nach einem Monat im Cocha-Rausch!“

Vor der Gretchenfrage muss ich die Gesundheitsfrage stellen:
Geht’s dir wieder besser? So lang wie der Artikel ist musst du eine Ewigkeit auf der Toilette sitzen.
Gruß Mama

Gehe jetzt gar nicht auf die Gretchenfrage ein….könnte ein Philosophie-Chat werden…nur soviel – schade, dass der oder die Einträge zu Ende sind. Könnte gerade so weiterlesen und in Deine Gedanken und Erlebnisse eintauchen.
Übrigens, das mit den Socken, Du umgehst das Mysterium der in der Waschmaschine verschwunden Socken!

Hallo Brigitte,
ich hab gestern mit Julian geskypt und da ging es ihm wieder besser 🙂
Liebe Grüße Rebekka

Hi,
jepp mir gehts wieder besser wobei letzte Nacht nochmal ein herber Rückschlag war 😛 Ich sag ja die Gretchenfrage ist ein philosophisches Meisterwerk! Danke Dad endlich etwas positives an der ganzen Geschichte!!! Wobei ich jetzt das Mysterium der auf der Wäscheleine verschwundenen Socken habe… Wobei das eigentliche Mysterium ist warum die Jungs auf Socken stehen 😀 bei Trikots hab ich ja noch Verständnis!

Ach auf der Schlüssel hat man dann wenigstens Zeit für die Blogeinträge.. habe ich nicht anders gemacht 😉
Für deine Zeichnung braucht man einen Analytiker 😀 Ich versteh nur Bahnhof. Ja da hast du ja aber Glück gehabt. Ist mir aber so ähnlich auch passiert. Immer gut n paar Deutsche um sich zu haben für so Fälle 😉

Ich weiß nicht genau WARUM ich ausgerechnet heute Abend den Eintrag wieder gelesen habe..-aber auf jeden Fall geil!! Viel gelacht! 😀

Zufriedene Grüße
Gretchen! 😀

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