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Brasilien

Trauer über Miguel Couto

Die Woche begann traurig. Am Sonntagabend mussten wir von zwei gestorbenen Kindern erfahren. Ein 16 jähriges Mädchen das noch Freitagabend Ihre Qualifikation gefeiert hat und ein 6 jähriger Junge der an Leukämie gestorben ist. Die Morgenandacht am Montag war von Tränen gefüllt und die Stimmung sehr angespannt und gedrückt. Das stand stark im Kontrast zu den sonst so fröhlichen, lauten und lebenden Brasilianern.

Die erste Beerdigung, des Mädchen aus dem Kinderhaus habe ich ausgelassen, da mein Bruder gerade zu Besuch war. Am Nachmittag stand die Beerdigung vom 6 jährigen Jungen von einer Mitarbeiterin von Casa do Menor an. Da mein Bruder mit Felipe weg war und ich die Familie und auch die Freunde kenne bin ich hingegangen.

Die Beerdigung total unterschiedlich von einer in Deutschland. Klar, muss man auch betrachten, dass die Familie arm ist und sich nichts großartiges leisten kann. Dennoch die Messe war nicht auf dem Friedhof. Ich glaube es gab gar keine Messe. Auf dem Friedhof gab es ein Haus das in circa 5 Räume aufgeteilt war. In jedem stand ein Sarg und die Betroffene Familien stand um den Sarg herum. Die Trauergäste gingen in den Raum, bekundeten Beileid und dann ging zum Grab. Da die Familie arm ist, gab es kein einzelnes Grab sondern ein gemauertes Rechteck welches aussieht als wären Backöfen drin, also mit so kleinen Öffnungen. Dort wurde dann der Sarg eingeschoben und direkt zugemauert. Die Trauergäste und ein Priester sprach etwas und es wurde noch gesungen. Darauf ging man zurück und die Beerdigung war beendet.

Die Deutschen sind kalt, ohne Gefühle. Das ist das größte Vorurteil gegenüber den Deutschen in Brasilien. Wie alle Vorurteile gibt es wahres drin und unwahres. Die Beerdigung allerdings, empfand ich als sehr kalt von den Brasilianern. Hier sind wir Deutschen viel gefühlsvoller. Eine deutsche Beerdigung ist viel trauriger, viel spiritueller und irgendwie für mich schöner. Hier fühlte es sich als schiebt man eine Pizza in den Backofen! Auch der Friedhof an sich war sehr hässlich. In Deutschland ist ein Friedhof meist schön an zu schauen. Es sieht aus wie viele kleine Gärtchen. Der Tote hat hier seine Ruhe kann Frieden schließen und sich an der Natur erfreuen. Der brasilianische Friedhof war komplett aus Stein, Mauern, Marmor oder Beton. Nur ab und zu gab es einige Blumen. Auch wird der Tote nicht unter die Erde gelegt sondern darauf und dann ein Rechteck herum gemauert und mit einer Marmorplatte verschlossen.

3 Antworten auf „Trauer über Miguel Couto“

Lieber Mirko
der Artikel ist sehr gefühlsvoll. Ich denke die Ereignisse haben dich doch auch sehr berührt. Oma wird sich an den Sätzen „In Deutschland ist ein Friedhof meist schön an zu schauen. Es sieht aus wie viele kleine Gärtchen“ sehr erfreuen , wo sie sich mit Opas Grab so viel Mühe gibt.
Ich wünsch Dir noch eine schöne restliche Zeit. Geniese Brasilien! Die deutsche Hektik kommt schnell genug.

Hallo, Salut und Bom dia Mirko!

Deinen Bericht fand ich sehr interessant. Ich fuehle mit dir, da ich auch Freunde und Bekannte in Brasilien verloren habe. Jedoch waren die Hauptursachen meist Verkehrsunfaelle. Dabei moechte ich auf deinen Verkehrs-Bericht zurueckgreifen. Die Dinge die du dort erwaehnst sind alles Tatsachen, jedoch hast du noch die „normale“ Trunkenheit am Steuer vergessen. Ausserdem ist es so, dass bei mir Bundesstaat Maranhao die Mehrheit ohne Fuehrerschein fahert.
Zu dem „trostlosen“ Friedhoefen muss ich sagen, dass es bei uns im Innland sehr viele grosse schoene und geschmueckte Jungelfriedhoefe gibt. Jedoch was die Trauernden betrifft kamen sie mir zuerst etwas „kuehl“ vor, da relativ wenig wirklich getrauert wurde, jedoch kann ich auch viele „aeremer“ Menschen verstehen, die taeglich ums Ueberleben kaempfen muessen und daher weniger Platz im Leben fuer
Gefuehle haben.

Mein Freund Mirko, ich sende dir allerherzlichste Gruesse aus Deutschland, denn mein Aufenthalt ist bereits beendet, jedoch beschaeftig mich Brasilien noch teaglich.
Ich freue mich dich schon in Deutschland wieder zu sehen!
Die Tueren stehen fuer dich immer offen.
Dein Freund Julian

Hallo Mirko,
ich mußte mal wieder Deine Einträge lesen – es ist ja in der Zwischenzeit viel passiert und Du hast so einiges erlebt. Interessant und aufregend Dein Aufenthalt – lang ist es her seit wir im Oktober bei Euch in Nova Iguascu waren. In der Zwischenzeit war Pater Renato zu einem Kurzbesuch hier in Illerkirchberg – wir haben uns darüber sehr gefreut! Da wir währenddessen Ihm und seinen Begleiterinnen einen Teil unseres schönen Ulms zeigen konnten. Wir haben gestaunt, dass er sich die Mühe gemacht hat, die über 170 Stufen auf den Turm unseres Münsters zu steigen.
Hallo Mirko;- Deine Tage sind ja nun gezählt und Dein Aufenthalt in Brasilien geht zu Ende. Ich bin gespannt, ob wir weiterhin etwas von Dir zu lesen bekommen;- es wäre schön!

Herzliche Grüße
Luise und Anton

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