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¿CETWAS?

CETWAS?

CETWA! Comunidad Educativa Tiquipaya Wasi
So heißt mein Projekt! Hier werde ich das nächste Jahr arbeiten und in den nächsten paar Wochen auch wohnen.
Es ist ein Heim für ca 30 Straßenjungs, die hier wohnen, essen, spielen und lernen.
Doch was heißt den genau Straßenjungs? Sie haben eben eins gemeinsam, sie lebten alle schon mal auf der Straße. Die Gründe sind unterschiedlich, mal sind wollten sie nicht mehr bei ihrer Familie bleiben, mal haben sie einfach keine mehr, mal wurden sie von der Familie ausgestoßen, weil sie a) das älteste Kind waren und ein neues Kind kam (beide wären nicht zu finanzieren), weil sie b) schon da Drogen genommen haben, oder weil es einfach Streit gab. Auf der Straße wurden sie dann alle geprägt. Manche von den Drogen (Alkohol, Kippen, Koka, Kleber), manche auch nur von den rauen Umständen. Man sieht einigen an was sie schon durchgemacht haben!
Das Alter der Jungs im Projekt erstreckt sich von 11 bis 22. Wer jetzt aber denkt: „11, so jung?“, dem muss ich leider mitteilen, dass auf der Straße noch viel jüngere Kids leben, sogar ganze Familien mit Kleinkindern, dazu evtl. ein anderes Mal mehr. 11 sind aber nur 2 Jungs normalerweise werden sie hier erst mit 12 aufgenommen. 22 ist nur einer, der Durchschnitt ist bei ~15.
Was ist bei ihnen anders als bei anderen Jungs? Die Straße hat sie härter gemacht auch im Umgang mit anderen Menschen.
Sie schlagen sich gegenseitig sehr oft und beleidigen sich auch. Jedoch darf man jetzt nicht denken, dass sie komplett asozial sind, denn man muss ja ihre Vorgeschichte bedenken. Sie sind nicht im schönen Deutschen Fachwerkhaus mit Muttis Küche und Vatis schützender Hand über Kopf aufgewachsen!
Jedoch können sie auch anders! Gestern beispielsweise haben sie das Projektgelände und den Pool aufgeräumt. Hier war ein riesiger Schutthaufen und im Pool war quasi statt Wasser Dreck… Alle haben mit geholfen und die Arbeit war im Nu erledigt. Der Pool ist überigend ca 6 auf 3 auf 2 Meter :-). Anschließend haben wir im Pool Fußball gespielt. Wasser kommt da ohnehin nicht rein weil das zu teuer wäre bei der Menge.
Die Jungs können auch sehr nett sein! Sie wollen immer mit Björn und mir reden und obwohl wir nichts verstehen versuchen sie es immer wieder und fragen 5 mal dieselbe Frage und sind sehr bemüht! Auch fragen sie uns immer ob wir mit ihnen Fußball, Basketball, Tischtennis spielen oder TV schauen wollen. Als unsere Dusche nicht funktioniert hat, hat dies einer der Jungs gemerkt und hat uns geholfen. Beim Wäsche waschen geben sie uns Tipps oder unterhalten uns dabei! Beim Essen wird für uns an jeden Tisch egal wie voll versucht Platz zu machen.
Mein Fazit zu den Jungs: Es gibt bis jetzt keinen von dem ich sage, dass ich ihn wirklich nicht mag! Sie sind echt Top! Daher hab ich mich auch dazu hinreisen lassen (nach längerem Gespräch mit Max, dessen Meinung ich angenommen habe) meinen Laptop mitzunehmen. Vor unserem Zimmer sind Gitter und von den Jungs würde so etwas niemand machen. Die Vorteile sind einfach zu groß.

Nun zum Projekt selber. Der Komplex besteht aus zwei Arealen. Das Wohn-, Ess-, Aufenthaltshaus und Hof und die Escola Tecnical gegenüber der Straßenseite.
Tagesablauf ist so:
Um halb 8 gibt es Frühstück. Davor muss jeder sein Zimmer geputzt haben und auch den Weg vorne dran.
8 / halb 9 geht es dann weiter in der Escola Tecnical. Hier wird in Bereichen Metall, Elektro und Schreiner gelernt.
12:30 gibt es Mittagessen.
Danach gibt es Freizeit oder manche gehen in die Schule in der Stadt.
Um 18:30 ist Abendessenszeit.
Anschließend wird meist Fernsehen geschaut.
Durch das frühe Aufstehen gibt es hier auch keine Schlafensregel.

Jegliche Drogen sind hier verboten auch Rauchen!

Unsere Aufgaben werden wie folgt aussehen:
Hausaufgabenbetreuung, in der Küche helfen (nur bedingt und nur am Anfang), mit den Kids spielen und sie betreuen, Straßenarbeit.
Straßenarbeit sieht vor, dass wir 2x die Woche in Gebiete fahren in denen Straßenjungs wohnen. Hier werden wir mit ihnen reden und sie versuchen davon zu überzeugen weg von der Straße und ins Projekt zu kommen. Wenn sie interessiert sind wir mit ihnen ausgemacht, dass wir uns in einer Woche wieder mit ihnen treffen und sie bis dahin auch clean seien müssen, um ihren Willen zu testen, da viele den Satz; „Ja ich komm ins Projekt!“ nicht ernst meinen.

Einen großen Vorteil bringt das auch für uns mit sich. Wir lernen die Jungs dort kennen, die meisten werden uns dort mögen, sie respektieren die Leute von CETWA. Von denen Gebieten wird geraten sich fern zu halten. Die Jungs können eben gefährlich sein. Wenn wir jedoch 2-3 Mal bei ihnen waren kennen sie uns. So werden sie uns auch wenn wir dort mal vorbei laufen nichts tun. Dass man dann nicht gerade seine 1000€ Kamera auspacken sollte ist natürlich weiterhin klar.

Ich habe bestimmt manches vergessen oder für selbstverständlich gehalten. Daher würde ich mich über nähere Fragen in Form von Kommentaren freuen, es sei den es wäre alles geklärt! 😀

¡Hasta Luego!
Liebe Grüße,
Juan

6 Antworten auf „¿CETWAS?“

Ja pass auf mim Laptop, bei mir haben auch die Kids mein Zeug geklaut. Und das obwohl Sie es nicht wussten und es versteckt im Rucksack unter einem Bett in welchem ich geschlafen habe war! Und obwohl Sie wussten das es dann Ärger gibt und Sie rausfliegen und wieder auf die Straße müssen! Aber du wirst das schon regeln und es wird passen 🙂

Super Einblick in deine neue Umgebung. Klingt als ob alles ganz einfach wäre. Gab es denn schon Probleme?
Pass auf dich auf

Danke. Ja bis jetzt passt alles und Probleme nicht wirklich. Mir wurde halt mein weisses Langarmtrikot geklaut als ich es zum Trocken draussen aufgehangen habe. Danach bin ich in die Stadt gefahren und leider erst zu spät wiedergekommen. Dann waren halt alle Jungs schon in ihren Zimmern und so hats halt keiner gesehen wer es war. Aber dass wussten wir das die Jungs evtl was klauen wenn es über Nacht draussen hängt… Dumm! Und dann halt noch ein Trikot und darauf sind die halt ultra scharf!

Zitat:
Das ist ja richtig interessant was der Julian da schreibt. Freut mich richtig, dass er das so fleißig macht. Da kann man alles miterleben.

Deine positive Einstellung gefällt mir, ich hoffe dass Du nicht noch des öfteren Lehrgeld zahlen musst. Geklaute Klamotten sind zwar ärgerlich. aber zu verschmerzen. Ausweis und Geld-/Kreditkarten oder der Laptop/Foto/Kamera wäre total blöd und mit viel Ärger verbunden.
(Habe gerade den Rasen gemäht, bin total verschwitzt.-Wann bist Du wieder zurück?? 😉

Grüsse an die Oma!
Ja Klamotten sind echt noch zu verschmerzen. Aber bei unseren Quatieren sieht man ja sind überall Gitter davor und so von daher glaube ich mein Laptop und co sind relativ sicher.
Tja mit dem Rasenmähen wirst du dich wohl noch ein weilchen auseinandersetzen dürfen wobei ja bald Mirko da ist 😀
lG Juan

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